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Jordanien Religion: Islam, Christen und Zusammenleben

Veröffentlicht 2 November 2026
Voyage en Jordanie - La mosquée du roi Abdallah Ier à Amman avec son dôme bleu turquoise emblématique et ses minarets.

Jordanien ist ein muslimisch geprägtes Land: Der Islam ist Staatsreligion, laut US-Außenministerium sind 97,1 % der Bevölkerung Muslime und 2,1 % Christen (Stand 2023). Wie die Religionen miteinander leben, was der Kalender vorgibt und was Reisende davon merken, erklärt Astrid, Ihre Expertin vor Ort.

Wer sich mit dem Thema Jordanien Religion beschäftigt, fragt sich schnell, ob das Land so einheitlich ist, wie die Zahlen vermuten lassen. Die Mehrheit ist eindeutig, die Minderheiten sind klein, aber sichtbar: in Mosaiken, Schulen, Kirchen und im Parlament.

Religion in Jordanien auf einen Blick

In Jordanien ist der Islam laut Verfassung von 1952 Staatsreligion (Artikel 2). Nach Angaben des US-Außenministeriums (Bericht zu 2023, veröffentlicht im April 2024) sind 97,1 % der Bevölkerung Muslime, fast alle Sunniten, und 2,1 % Christen.

Die Christen verteilen sich auf mehrere Kirchen: orthodox, griechisch-katholisch, armenisch, koptisch, protestantisch und römisch-katholisch. Dazu kommen kleine schiitische, drusische und bahaʼi-Gemeinschaften.

Das Bild eines einheitlich muslimischen Landes greift trotzdem zu kurz. Wer durch Jordanien reist, sieht Kirchtürme neben Minaretten, und das nicht nur in Amman.

Christen in Jordanien: ein altes Erbe

Christen sind im Parlament mit mindestens 9 von 130 Sitzen vertreten. Ihre Gemeinschaften reichen von orthodox bis protestantisch, die Armenier kamen um 1915.

Christliche Beduinen leben vor allem rund um Karak. Manche Gemeinschaften haben ihre Liturgie ins Arabische übertragen, um sich einzufügen, und dabei ihre Identität bewahrt. Wie weit das Erbe zurückreicht, zeigen die Mosaike von Madaba, Umm er-Rasas und Petra.

Die Minderheiten behalten ihre religiöse Autonomie. Viele Christen schicken ihre Kinder auf angesehene Schulen, die auch muslimische Schüler aufnehmen. Schwierig wird es bei Konversionen, und das angespannte regionale Umfeld stellt die Gemeinschaften mitunter vor besondere Herausforderungen. Sie gelten als respektierte Minderheit; das gehört zur ehrlichen Beschreibung dazu.

Die Drusen

Die Drusen sind eine sehr kleine, zurückhaltende Gemeinschaft. Ihre Spiritualität gilt als esoterisch, ausüben dürfen sie nur Eingeweihte. Entsprechend wenig sieht man davon im öffentlichen Leben.

Heilige Stätten und religiöser Kalender

Jordanien beherbergt bedeutende Stätten des Islam und des Christentums: die Taufstelle Christi am Jordan ebenso wie die Gräber der Gefährten des Propheten. Dazu kommen Heiligtümer, die Sunniten wie Schiiten verehren.

Zu den nationalen muslimischen Feiertagen zählen:

  • Islamisches Neujahr (1. Muharram)
  • Mawlid: Geburtstag des Propheten Muhammad
  • Eid al-Fitr: Ende des Ramadan
  • Eid al-Adha: das große Opferfest

Auf christlicher Seite gelten Weihnachten und Ostern: Die Banken bleiben geschlossen, die Tage sind offiziell frei. Jede Gemeinschaft darf darüber hinaus eigene Feste feiern. Das öffentliche Leben folgt so zwei Rhythmen, den muslimischen Gebeten und den christlichen Feiern. Die Daten der beweglichen Feiertage prüfen Sie am besten vor der Abreise.

Unsere Expertinnen und Experten vor Ort stellen Ihnen Reisen nach Jordanien zusammen, die diese Termine berücksichtigen.

Zusammenleben, Gesetz und Grenzen

Das Gesetz verankert die Religionsfreiheit, und das Königreich gilt in der Region als Land mit wenigen Spannungen zwischen den Konfessionen. Dafür sprechen mehrere Punkte:

  • Parlamentarische Ausschüsse befassen sich mit Religion und Glauben.
  • König Abdullah II. unterstützt interreligiöse Initiativen, etwa gemeinsame Iftar-Essen im Ramadan, an denen christliche und muslimische Würdenträger teilnehmen.
  • Minderheiten dürfen offiziell ihre Feste feiern.

Jordanien versteht sich als Hüterin heiliger Stätten und als Vermittlerin in der Region. Zugleich setzt die Regierung auf Maßnahmen gegen Extremismus.

Dem stehen Grenzen gegenüber. Bestimmte Ämter sind Muslimen vorbehalten, und die Konversion bleibt ein heikles Thema. Es gibt Vorschläge, die Neutralität des Staates zu stärken, etwa durch die Abschaffung des Religionsvermerks im Ausweis. Als „Vorbild“ taugt Jordanien deshalb nur mit Einschränkung: Das Nebeneinander funktioniert im Alltag, rechtlich bleiben Unterschiede bestehen.

Religion im Alltag: was Reisende merken

Im Ramadan bleiben viele Restaurants tagsüber geschlossen, die Öffnungszeiten sind kürzer, abends wird gefeiert.

Der Glaube prägt die Jordanien-Kultur an vielen Stellen: bei den Essgewohnheiten, den Arbeitszeiten, bei Hochzeiten und Trauerfällen. Ehre, Familie und Tradition haben großes Gewicht, oft religiös begründet. Die Gesellschaft ist konservativ, bleibt aber insgesamt offen.

Das fällt Reisenden am ehesten auf:

  • Kopftuch: Musliminnen tragen es häufig, manche Christinnen ebenfalls, aus religiösen wie kulturellen Gründen. Außerhalb von Amman sehen Sie es öfter.
  • Ramadan: Das Leben verlangsamt sich, abends herrscht festliche Stimmung. Planen Sie Mahlzeiten und Besichtigungen darauf ein.
  • Städte: Amman, Madaba und Karak zeigen das Nebeneinander der Lebensstile und Traditionen am deutlichsten.

Die König-Abdullah-Moschee in Amman ist ein Beispiel für die prachtvollen Moscheen des Landes. Mehr zur Planung finden Sie in unserem Reiseführer Jordanien.

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FAQ zur Religion in Jordanien

Ja. Artikel 28 der Verfassung schreibt das vor, so hält es Humanists International fest (Stand 19. Juni 2023). Das Staatsoberhaupt muss also dem Islam angehören, der Staatsreligion des Landes.

Bei der Parlamentswahl im September 2024 lag die Wahlbeteiligung bei 36 %, die Islamische Aktionsfront gewann die meisten Sitze. Im April 2025 wurde die Muslimbruderschaft verboten. So berichtet es Open Doors (Stand September 2025).

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