Mongolei Religion: Buddhismus, Schamanismus und Glaube im Alltag
Die Religion in der Mongolei ist überwiegend buddhistisch: Laut Volkszählung 2020 bekennen sich 51,7 % der Bevölkerung zum tibetischen Buddhismus. Daneben leben Naturglaube, Schamanismus, Islam und Christentum weiter, oft in derselben Familie.
Für Reisende heißt das: Auf der Fahrt durch die Steppe begegnen Ihnen Klöster, Steinhaufen mit blauen Tüchern und gelegentlich ein Schamane, und alle drei gehören zum selben Alltag. Der Überblick unten ordnet die Zahlen ein und erklärt, was Sie unterwegs sehen.
Religion in der Mongolei: Anteile laut Volkszählung 2020
Die Volkszählung 2020 weist die Anteile bezogen auf die gesamte Bevölkerung aus: 51,7 % Buddhisten, 40,6 % ohne Religionszugehörigkeit, 3,2 % Muslime (überwiegend Kasachen) und 2,5 % mit mongolischen schamanischen Traditionen. Die Mongolei Religion in Zahlen:
| Gruppe | Anteil an der Gesamtbevölkerung (Zensus 2020) |
|---|---|
| Buddhisten | 51,7 % |
| Ohne Religionszugehörigkeit | 40,6 % |
| Muslime | 3,2 % |
| Mongolische schamanische Traditionen | 2,5 % |
Rund 59 % der Mongolen gehören damit einer Religion an. Bezogen nur auf diese Gruppe nennt der Bericht des US-Außenministeriums zur Religionsfreiheit 2022 87,1 % Buddhisten, 5,4 % Muslime, 4,2 % Schamanisten und 2,2 % Christen. Wenn Sie anderswo „87 %“ lesen, steckt dahinter dieselbe Lage mit einer anderen Bezugsgröße. Ältere Umfragen mit wieder anderer Basis weichen von beiden Werten ab.
Tibetischer Buddhismus: Gelugpa, Klöster und Wiedergeburt nach 1990
Der Buddhismus war in der Mongolei schon vor dem 16. Jahrhundert bekannt. Zur Nationalreligion machte ihn Altan Khan, der die Gelugpa-Schule förderte, die „Gelbmützen“ in der Linie des Dalai Lama. Anfang des 20. Jahrhunderts war ein Drittel der Männer Lama, und im Land standen mehr als 700 Klöster.
Die Revolution von 1921 und die kommunistische Zeit beendeten das. Fast 97 % der Klöster wurden zerstört, der Glaube wanderte in den Untergrund. Seit den 1990er-Jahren ist er zurück: Mehr als 130 Klöster und Tempel wurden restauriert oder neu gebaut. Viele Familien pilgern heute zu Lamas der Gelugpa-Tradition und bitten um Segen, Glück, Gesundheit oder Heilung.
Praktiken und lokale Besonderheiten
Der mongolische Buddhismus mischt tibetische Rituale mit schamanischen Elementen. Die Gläubigen rezitieren Mantras und schenken Khadags, heilige Schals. In ihren täglichen Gebeten rufen sie Tara an, aber ebenso die Ahnengeister. Zu vielen Zeremonien gehören eine Reinigung mit geklärter Butter und die Befragung von Orakeln.
Auch die großen Feste tragen beide Handschriften. Tsagaan Sar, das Mondneujahr, und Naadam stehen im Zeichen buddhistischer Rituale für Glück und Wohlstand, enthalten aber Elemente aus dem Naturglauben.
Die Rolle der Klöster heute
Die Klöster sind soziale und bildende Orte: Sie vermitteln buddhistische Werte ebenso wie Geschichte und Kultur des Volkes. Gandantegchinlen in Ulaanbaatar bietet täglich gemeinsame Gebete und Unterweisungen, dazu Opfergaben und besondere Riten für Kinder, Reisende oder Verstorbene. Die Klöster in der Gobi und in Arkhangai liegen abgelegener und gelten weiter als geistige Hüter der Nation.
Unsere lokalen Experten in der Mongolei zeigen Ihnen aktive Klöster und erklären die Rituale vor Ort. Beispielrouten finden Sie unter Mongolei-Reisen, eine klassische Strecke ist die Rundreise durch die Mongolei.
Naturglaube und Ovoo: wie die Mongolen die Geister respektieren
Der Naturglaube ist mehr als ein ererbter Brauch. Er prägt den Alltag, weil jeder Berg und jeder Fluss einen Schutzgeist hat. Der Respekt gilt auch dem Vieh, dem Sammeln von Wildpflanzen und den Familienfesten. Selbst die Nationalflagge trägt ihn: Die Symbole für Himmel, Feuer und Wasser stammen aus diesem alten Erbe, das die Moderne nicht ausgelöscht hat. Wer mehr über Landschaft und Lebensraum wissen möchte, findet im Guide zur Tierwelt der Mongolei den Hintergrund zur Steppe.
Ein Ovoo ist ein heiliger Steinhaufen, bedeckt mit blauen Tüchern, die den Himmel symbolisieren. Vor einem Pass halten Mongolen an, und jede Reise beginnt mit einer Gabe an die Geister. So läuft das Ritual ab:
- Anhalten vor dem Pass.
- Hupen.
- Eine Opfergabe niederlegen: Milch, Airag (vergorene Stutenmilch), Geld, Wodka oder ein Bonbon.
- Den Ovoo dreimal im Uhrzeigersinn umrunden, in Sonnenrichtung.
- Einen Stein auf den Haufen legen.
Das Ritual soll den Schutz der Himmels- und Berggeister bringen, der Beschützer der Nomaden. Gehen Sie als Besucher ruhig und dezent vor und folgen Sie dem, was Ihr Fahrer vormacht.
Die meisten Mongolen verbinden beide Traditionen und sehen sie als einander ergänzend, um Gleichgewicht und Harmonie zu sichern. Am Ovoo treffen sie aufeinander: Blau steht für den Himmel, und zugleich schenken Buddhisten dort Khadags. Der Glaube bleibt dabei kein Entweder-oder, sondern gelebte Praxis.
Schamanismus und Tengrismus
Ein Schamane vermittelt zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Er ehrt die Ahnen, heilt Krankheiten, schützt den Clan und ruft Glück und Fruchtbarkeit herbei. Die „Gabe“ ist oft erblich und verlangt eine tiefgehende Ausbildung; bei manchen Gruppen führt sie häufig über die mütterliche Linie. In der Volkszählung nennen sich 2,5 % der Mongolen Anhänger mongolischer schamanischer Traditionen, doch sichtbar ist der Schamanismus weit über diese Zahl hinaus.
Tengrismus: die Verehrung des Himmels
Der Tengrismus verehrt den Ewigen Himmel und die Geister. Aus dieser Tradition geht der Schamanismus hervor, und auch der Tengrismus selbst erlebt heute eine Wiederbelebung.
Schamanismus heute
Früher waren schamanische Rituale an bestimmte Gruppen gebunden, etwa an die Tsaatan am Khövsgöl. Heute kehren sie zurück, sogar in die Stadt. Zeremonien mit Trommel, Kehlgesang und Trance finden mal in Jurten in Ulaanbaatar statt, mal bei den großen saisonalen Wanderungen. Trommeln, mit Metall besetzte Kostüme, Tiermasken und heilige Zweige geben die Familien von Generation zu Generation weiter.
Bei den Tsaatan hat der Schamanismus seine Kraft nie verloren. Er hängt eng an der wilden Natur und der Rentierhaltung: Das Ritual ehrt das Tier und soll das Gleichgewicht der Taiga bewahren.
Seit den 1990er-Jahren lebt der Schamanismus im ganzen Land wieder auf. Er zieht gelegentlich junge Städter an, die Authentizität suchen. Die Zeremonien nehmen moderne Anliegen auf: beruflichen Erfolg, Stressbewältigung, körperliche und seelische Gesundheit. Für Besucher bleiben solche Erlebnisse selten und eng begleitet. Respektieren Sie die spirituelle Privatsphäre der Familien und drängen Sie sich nie auf.
Islam und Christentum in der Mongolei
Der Islam ist vor allem bei der kasachischen Minderheit im Westen verbreitet, in der Region Bayan-Ölgii. Muslimische Traditionen bestehen dort neben dem Respekt vor den lokalen Geistern, die Zahlen stehen oben in der Tabelle.
Das Christentum wächst seit der Demokratisierung, vor allem in den Städten. Es kommt überwiegend durch ausländische Missionare, protestantische wie katholische.
Entsprechend unscharf sind die Grenzen im Alltag. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein und dieselbe Person an einem buddhistischen Gottesdienst, einer schamanischen Zeremonie und muslimischen Festen teilnimmt.
Reisetipps: Religion unterwegs respektvoll erleben
Wer die Religion der Mongolei vor Ort verstehen will, plant am besten drei Begegnungen ein. Besuchen Sie aktive Klöster respektvoll; Gandantegchinlen in Ulaanbaatar eignet sich als Einstieg. Nähern Sie sich einem Ovoo dezent und kennen Sie vorher den Ablauf. Und begegnen Sie Schamanen nur mit angemessener Begleitung und in kleinen Gemeinschaften, in denen der Schamanismus lebt. Diskretion ist bei allem der Schlüssel.
Mehr zur Reiseidee finden Sie im Reiseführer Mongolei; warum sich das Land lohnt, steht in den Gründen für eine Reise in die Mongolei.
Möchten Sie Klöster, Ovoo und eine Begegnung mit Schamanen in Ihre Reise einbauen? Ein lokaler Experte plant das gemeinsam mit Ihnen.
Stellen Sie Ihre Mongolei-Reise zusammen: Reise anfragen.
Häufige Fragen zur Religion in der Mongolei
Die Verfassung von 1992 garantiert die Religionsfreiheit. Ein Jahr später, 1993, nahm die Mongolei diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl auf. Beide Schritte öffneten das Land für religiöse Gemeinschaften, die in der kommunistischen Zeit verboten waren (Quelle: Vatican News, 1. September 2023).
Die katholische Kirche zählt rund 1.500 Gläubige und 29 Priester, von denen nur zwei Mongolen sind; der erste wurde 2016 geweiht. Seit 2020 besteht die Apostolische Präfektur Ulan Bator unter Giorgio Marengo, der 2022 Kardinal wurde (Quelle: domradio.de, 31. Januar 2024, und Vatican News 2023).
Laut ARDA-Datenbank sind 432 Gotteshäuser registriert: 217 buddhistische, 161 christliche und 44 muslimische. Die Angabe ist nicht datiert; sie zeigt vor allem, wie breit das Christentum neben dem Buddhismus inzwischen aufgestellt ist.




